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Kurzgeschichten-Auswahl:          Ein wirklicher Albtraum          Chaostheorie in vier Akten          Halloween


Meine ganz alltägliche Chaos-Theorie

1. Akt

Schlaftrunken schaue ich auf den klingelnden Wecker. Ich blinzle ... ohne meine Brille bin ich fast blind. Aber dann bin ich schlagartig wach. Ich habe verschlafen! Verflixt, das ist doch jedes Mal dasselbe. Der erste Schultag nach den Ferien ... und ich verschlafe mal wieder. Meine innere Uhr ist noch nicht umgestellt und immer noch auf Ferienzeit fixiert.

Jetzt aber nichts wie raus aus dem Bett, schnell in die nächste herumliegende Hose geschlüpft, das T-Shirt von gestern übergezogen und rasch die Kinder wecken. Derweil sitzt mein Göttergatte am Frühstückstisch und liest in aller Seelenruhe die Tageszeitung. Besser, wenn ich jetzt nichts sage, denke ich mir und haste die Treppe hoch zu den Kinderzimmern. Mürrische und missgelaunte Blicke sind der Dank für meinen fast zum Sturz führenden Spurt, weil ich mal wieder nur auf Socken unterwegs bin. Ich sollte die Holztreppe vielleicht doch nicht immer so polieren. Natürlich sind die Schulranzen noch nicht gepackt, natürlich sind die Kleider für den Tag nicht hergerichtet. Und natürlich hat mein Kleinster vergessen, mir einen Zettel zu geben, damit ich ihm noch ein leeres Heft für den ab heute im Unterricht beginnenden Geometrie-Unterricht mitgeben soll.

Ich verschlucke rasch den aufkeimenden Zorn und gehe in die Küche um Frühstück zuzubereiten. Fertigen Instant-Tee und Frühstücksflocken, zu mehr reicht es heute nicht. Derweil hat mein Mann die zweite Hälfte der Tageszeitung angefangen und liest noch immer in aller Seelenruhe. Der Tisch ist rasch gedeckt, die Kinder sind noch immer nicht da. Ich rufe zu den Zimmern hoch und bekomme nur einen Anschiss. Inzwischen spüre ich ein dringendes Bedürfnis. Mist, das Bad ist in der Zwischenzeit von meinem Gatten besetzt. Na, wir haben ja noch ein Gästeklo. Aber das ist nun von meiner Tochter belagert. Nun, dann eben nachher.

Mein Sohn ist inzwischen in der Küche angelangt, kaut ein paar Frühstücksflocken und trinkt seinen Tee zur Hälfte leer. Den Rest will er wie immer mitnehmen. Also umfüllen in eine leere kleine Plastiktrinkflasche. Wo sind die nur alle wieder hingekommen. Ach ja, eine liegt im Garten, darin wurden Grillen gefangen. Hm, wir haben doch eigentlich noch mehr. Ich frage vorsichtig meinen Sohn, der hat über die Ferien die ganze Zeit die noch halbvolle Trinkflasche im Schulranzen gelassen. Ich öffne die Flasche. Der darin enthaltene Tee ist in der Zwischenzeit gegoren und es zischt hörbar . Prima, also ist noch eine Grundreinigung angesagt. Man hat ja sonst nichts zu tun.

Zwischenzeitlich ist meine Tochter angekommen und mein Sohn ist aufs Gästeklo, das Bad ist immer noch von meinem Gatten besetzt. Meine Tochter hat keinen Hunger, wenigstens trinkt sie den Tee. Ich stehe vor dem laufenden Wasserhahn und schrubbe die Plastikflasche; das laufende Wasser erinnert mich an mein dringendes Bedürfnis, das ich aber noch im Zaume halten muss. Endlich habe ich die Flasche sauber, da bringt mir meine Tochter die ihrige, ebenfalls über die Ferien im Schulranzen überlebende Trinkflasche und dazu noch eine Vesperbox, in der die reinste Penicillin-Zucht gedeiht. Auf nüchternen Magen ist das nicht gerade ein sehr schöner Anblick.

Also schließe ich die Dose, das kann jetzt auch noch ein paar Minuten länger warten, denke ich. Mein Sohn ist in der Zwischenzeit wieder da und verlangt nach seinem Heft. Außerdem habe er keine Socken mehr. Ich überlege, wie viele seiner drei Dutzend Socken denn eigentlich in seiner Schublade noch sein können, die so gut wie nie angezogen werden und will grade ein Wort sagen, da fragt mein Gatte, der nun aus den Tiefen des Bades aufgetaucht ist, wo denn sein weißes Hemd sei. Er müsste es unbedingt heute anziehen.

Ich schicke meine Tochter ins Bad, da sie als erstes das Haus verlassen muss und begebe mich auf die Suche nach dem Hemd. Ich fische es schließlich aus dem Wäschekorb der noch zu bügelnden Wäsche und mache mich daran das Bügelbrett aufzustellen. Mein Bedürfnis kann nun bald nicht mehr warten. Bis das Bügeleisen warm wird, richte ich meiner Tochter die Trinkflasche und beschließe, ihr einfach Geld für ein belegtes Brötchen mitzugeben. Spätestens jetzt würde mich eine Vollblut-Pädagogin mit runzelnder Stirn angucken. Meine Tochter ist in der Zwischenzeit aufgetaucht und mein Sohn verschwindet ins Bad. Ich bitte meine Tochter, ihre Trinkflasche einzupacken, da klingelt bereits die Nachbarstochter an der Haustüre. Ich rase in Richtung Türe, weil meine Tochter bereits ihre Schuhe anzieht und keine Zeit hat, die Türe zu öffnen.

Nun ist mein Sohn im Bad fertig und sucht noch immer nach seinen Lieblingssocken, die aber leider noch nicht gewaschen sind, da er sie ja erst gestern anhatte. Wie bringe ich ihm nur bei, dass sie demnächst in der Mülltonne landen werden, da sie bereits so dünn sind und nicht mehr zu flicken sind? Mein Mann steht ungeduldig da und wartet auf sein Hemd. Ich also ran ans Bügelbrett und fange endlich an zu bügeln, was aufgrund der langen Liegedauer des Hemdes nicht mehr ganz einfach ist. Zwischenzeitlich ist meine Tochter fertig und verabschiedet sich. Ich renne noch schnell hinterher und drücke ihr das Geld für ein Vesper in die Hand. Zurück am Bügelbrett spüre ich die stärker werdende Ungeduld meines Mannes. Ich bete, dass ich das Hemd fertig bügeln kann, ohne dass noch etwas dazwischen kommt.

Es scheint zu klappen, ich habe grade das letzte Stück in Arbeit, da kommt mein Sohn, inzwischen hat er tatsächlich ein paar Socken gefunden, und fragt nach dem leeren Heft. Ich kann ihn noch vertrösten, denn ich sehe, wie mein Mann in der Wohnung umherhastet und seinen Autoschlüssel sucht. Er sollte, wie jeden Tag, eigentlich bereits unterwegs sein. In Gedanken sehe ich ihn noch am Tisch sitzen und die Zeitung lesen, für die er sich immer eine gute halbe Stunde Zeit nimmt, doch manchmal ist es besser zu schweigen. Ich bin mit dem Hemd fertig und er reisst es mir förmlich aus der Hand. Vermutlich sollte ich jetzt ein bisschen ein schlechtes Gewissen bekommen, aber komischerweise stellt sich das nicht ein. Ich mache das Bügeleisen aus, nun suche ich nach einem leeren Heft für meinen Sohn. Zum Glück bin ich auf solche Vorkommnisse eingerichtet - erfahrungsgemäß ist es besser auf solche Eventualitäten vorbereitet zu sein - und kann ihm stolz ein passendes Heft geben. Er packt es mit einer solchen Selbstverständlichkeit ein, (eigentlich hatte ich ein "Toll-Mama-du-bist-halt-immer-vorbereitet" oder so was in der Art erwartet), mitsamt einem Müsliriegel und seiner Trinkflasche, die mich nun wieder an mein Bedürfnis erinnert. Er muss noch mal aufs Klo, verflixt, da wollte ich doch grade hin.

Das Bad ist wieder von meinem Mann besetzt, der sich nochmals seine paar Haare stylen muss. Ich bin in der Zwischenzeit total verschwitzt und fühle mich überreif für die Dusche. Es klingelt - aha, der Nachbarssohn. Er will meinen Sohn abholen, und er kommt prinzipiell fünf Minuten zu früh. Also muss er warten. Mein Mann ist jetzt endlich fertig, aber er sucht noch immer seinen Schlüssel. Ich suche nun mit und werde fündig. Er liegt unter der Tageszeitung. Ich bekomme schnell noch einen Abschiedskuss, dabei fühle ich mich total schmutzig und verschwitzt, während er frisch geduscht ist und nach Rasierwasser duftet.

Mein Sohn ist jetzt auch fertig und zieht sich in Ruhe seine Schuhe an. Derweil tipple ich vor Ungeduld und überstark werdendem Drang von einem Fuß auf den anderen. Es sieht nach Regen aus - Mist, schon wieder laufendes Wasser - wo ist denn jetzt nur sein kleiner Schirm. Wir finden ihn nicht, er liegt mit Sicherheit noch in der Schule. Also dann eben nur die Regenjacke und ab in die Schule. Jetzt schließe ich die Haustür und laufe zielsicher Richtung Bad. Da klingelt es noch mal an der Haustüre, bestimmt hat mein Sohn wieder was vergessen. Nein, meine Freundin bringt schnell ein paar alte Brotstücke und Möhrenabfall für unsere Hasen vorbei. Ich bin noch immer nicht geduscht und entschuldige mich. Sie muss aber gleich weiter, weil sie arbeiten muss. Gott sei Dank, denn mein Bedürfnis drückt nun sehr. Also nix wie ins Bad - eine Erleichterung.

Eine Viertelstunde später bin ich frisch geduscht. In der Zwischenzeit hat meine Mutter auf den Anrufbeantworter gesprochen. Um diese Zeit müsse ich doch zu erreichen sein und man höre in letzter Zeit gar nichts mehr von mir! Rentner müsste man sein und den ganzen Tag Zeit haben. Ich rufe also zurück und erkläre, dass ich unter der Dusche war. Mein Frühstück muss jetzt eben noch mal ein paar Minuten warten. Nach 10 Minuten nichtssagendem Gespräch habe ich nun endlich Zeit mich meiner Tasse Kaffee und der Tageszeitung zu widmen. 75 Minuten meines Tages habe ich bereits hinter mir. Aber der Stress eines kompletten Tages, so scheint es mir bereits jetzt schon, hat mich schon wieder so müde gemacht, dass ich glattweg noch ne Runde schlafen könnte. Aber der Tag fängt jetzt erst an!

2. Akt

Endlich Ruhe und Zeit für die Zeitung. Doch weit gefehlt. Das Telefon klingelt und ein Kunde ist dran. Ob es mir möglich wäre statt der vorangeschlagenen drei Mailings diese Woche das Doppelte zu machen - jedes Mailing nimmt mindestens 3 Stunden in Anspruch. Natürlich sei es mir möglich, erwidere ich, obwohl ich in Gedanken bereits meine sämtlichen Termine umzuordnen beginne. Also doch nix mit der Zeitung. Ich lasse sie liegen und gehe schnell die Hasen füttern. Aber ein Schwabe wie ich läuft nicht leer, so gehe ich erst ins Bad und sortiere schnell die Schmutzwäsche, damit ich eine Maschine bereits laufen lassen kann, solange ich andere Sachen arbeite. Ich nehme den Berg Wäsche in die Hand so gut es geht, die Waschkörbe sind noch gefüllt mit ungebügelter Wäsche. Ich gehe die Treppe hinunter in die Waschküche und fülle die Waschmaschine. Waschmittel rein, Weichspüler rein. Natürlich sind keine Enthärter-Tabs mehr da. Na, es wird ja nicht gleich die Maschine verkalken, wenn ich sie einmal ohne Enthärter laufen lasse.

Ich gehe in den Hauswirtschaftsraum nebenan und rutsche fast aus. Mein Kinder haben zwar den trockenen Mais von den Maiskolben abgemacht, aber die Hälfte der Körner liegt auf dem Boden. Dann hatte ich schon eine Beschäftigung für sie, wenn sie heute von der Schule heimkommen. Ich nehme die Schüssel mit dem Trockenfutter und gehe die Hasen füttern. Alles läft gut, nur der werte Simba hat nichts besseres zu tun, als mir zu entwischen. Nach gut 10 Minuten Hinterherrennens erbarmt er sich schließlich und hüpft wieder in seinen Käfig. Im Geiste hatte ich ihn schon in der Bratpfanne! Schnell mache ich mich daran, ins Büro zu gehen und bemerke beim Treppensteigen, dass ich einige Teile der Wäsche verloren habe. Ich packe die paar Sachen und renne zur Waschmaschine, die ist aber inzwischen schon zu weit im Hauptprogramm und ich kann sie nicht mehr dazu stecken. Aber es ist ja noch mehr Wäsche da, zu der ich die Teile dazunehmen kann. Ich lasse die Sachen erst mal vor der Waschmaschine liegen, damit ich sie nicht vergesse und gehe in mein Büro. Mein restlicher Haushalt muss heute warten.

Wider allen Vorzeichens konnte ich doch tatsächlich eine volle Stunde ungestört arbeiten und war in meine Arbeit vertieft, als mich das Telefon ein weiteres Mal unterbricht. Mein Kunde war dran, er wolle mir noch kurz etwas vorbeibringen. Ich sei ja jetzt zu Hause. Ja, sage ich, denke aber im gleichen Moment an die Aktion, die vor mir liegt. Ich lege auf und haste ins Esszimmer. Da mein Büro so überladen ist, kann ich unmöglich dort jemanden hinein bitten. Aber im Esszimmer ist noch nicht der Tisch abgeräumt. Meine halbvolle Tasse Kaffee, die aufgeschlagene Zeitung und die Reste des Frühstücks meiner Kinder stehen noch da. Schnell stelle ich alles in die Küche und mache die Türe zu. Ich eile zum Bügelbrett, klappe es zusammen, packe das Bügeleisen, alles ins Schlafzimmer stellen, Türe zu fertig. Aber, mein Gott, ich will noch schnell zusammenfegen. Ich renne also in die Abstellkammer. Der Besen, wo war der Besen? Oh nein, den hatten die Kinder gestern schon mal vorsorglich mitgenommen, um die Maiskörner zusammenfegen zu können. Ich also schnell runter in den Hauswirtschaftsraum, hole den Besen hoch, fege zusammen, fertig.

Umherliegenden Postsachen und schriftlichen Dinge - ich weiß nicht, wieso wir da nie Ordnung rein bringen - schnappe ich mir und setze sie schnell auf das noch ungemachte Bett im Schlafzimmer. Türe zu, fertig. Nun, jetzt sieht es einigermaßen annehmbar aus, denke ich und schon klingelt es an der Türe. Ich gehe lächelnd zur Türe und versuche, nicht abgehetzt auszusehen. Freundlich empfange ich den Kunden, gehe ins Esszimmer und bitte ihn Platz zu nehmen. Er will nicht ablegen, weil er gleich weitermuss - Gott sei Dank, denke ich. Aber er nimmt kurz Platz, um mir noch Arbeit zu geben und kurz ein paar Worte dazu zu sagen, da bemerke ich aus dem Augenwinkel, wie sich hinter ihm in der Ecke des Zimmers eine vorwitzige Spinnwebe leise im Luftzug bewegt. Es gibt Zeiten, in denen ich mir wünsche, keine Frau, vor allem keine Hausfrau zu sein. Hoffentlich merkt er nichts, fährt mir durch den Kopf. Schließlich ist er fertig, packt zusammen und verabschiedet sich. Ich begleite ihn zur Haustüre und bemerke beim Zurückkommen, dass ich vergessen hatte, die Schuhe meines Mannes aufzuräumen. Leider hat er es irgendwie noch nicht fertiggebracht, beim Nachhausekommen links zum Schuhschrank zu gehen. Aus einem unerklärlichen Grund ist es ihm körperlich nicht möglich, im Flur die linke Richtung einzuschlagen, also stellt er die Schuhe immer rechterhand neben der Eckbank ab. Wo sie auch jetzt unübersehbar standen. Ich seufze und hoffe, - wahrscheinlich umsonst - dass der Kunde diesen Faupax nicht bemerkt hat.

Nun habe ich also eine weitere halbe Stunde kostbarer Zeit vertrödelt und werde diese wohl abends dranhängen müssen. Nix wie rein ins Büro und weitermachen, sonst schaffst du die sechs Sendungen nicht, überlege ich. Ich mache mich gerade an die Arbeit, als es ein weiteres Mal an der Tür klingelt. Verflixt, was ist denn nun schon wieder. Ich öffne und ein sehr netter Vertreter der Firma Vorwerk steht an der Türe. Er möchte meinen Staubsauger überprüfen und möchte hereinkommen. Ein paar Minuten hätte ich doch sicher Zeit. Nun, ich weiß aus Erfahrung, dass Vorwerk-Vertreter nicht nur "ein paar Minuten" da sind, also benutze ich eine Notlüge - ich hoffe, dass mir mein Platz im Himmel nicht abhanden kommt - und lasse einfach noch einen Kunden in meinem Esszimmer sitzen. Er fällt tatsächlich darauf herein und geht. Ich schließe seufzend die Türe in der Hoffnung, meine Arbeit nun ungestört fortsetzen zu können. Ich konnte nun bis ca. 13.00 Uhr weiterarbeiten, denn vorher kamen meine Kinder nicht von der Schule. Das könnte evtl. hinhauen mit meiner Planung, die Arbeit bis zum gewünschten Termin fertig zu bekommen. Ich schaffe es genau bis 11.30 Uhr, dann reißt mich die Türglocke ein weiteres Mal aus der Arbeit. Ich verwünsche die Firma Vorwerk und gehe sehr missgelaunt zur Türe. Aber ich muss der Firma Vorwerk Abbitte leisten, sie ließ mich in Ruhe. Vor der Türe steht mein Sohn. Zwei Unterrichtsstunden sind wegen Krankheit seiner Klassen-Lehrerin ausgefallen. Warum kann sie ihre Krankheit nicht ein anderes Mal haben, wenn ich weniger zu tun habe?

Nun tue ich etwas, was mir die Pädagogen nie verzeihen werden. Ich setze meinen Sohn vor den Fernseher. Alle meine Vorsätze, die ich mir als junge Mutter vorgenommen habe, werfe ich über den Haufen. Ich musste Zeit gewinnen. Ich frage vorher aber noch nach Hausaufgaben, die er aber wegen der kranken Klassenlehrerin nicht bekommen hat, da er nur eine Vertretung im Unterricht hatte. Also, schnell weitermachen, solange es noch geht, denke ich. Es klingelt wieder an der Türe. Ich werde morgen die Glocke ausbauen! Mein Sohn erbarmt sich und geht. Es ist ein Schulkamerad, seine Mutter ist nicht zuhause und er möchte solange hier bleiben. Ich verfluche die Mutter in Gedanken und setze ihn mit vor den Fernseher. Ich vermute stark, dass das morgen sicher im Ort ausdiskutiert wird! Aber es ist mir egal. Ich mache also weiter und versuche zu arbeiten.

3. Akt

Es gelingt mir doch tatsächlich ein paar Minuten konzentriert zu arbeiten, da unterbricht mich mein Sohn. Wann es den Essen gäbe, er habe Hunger. Ich frage, ob er denn seinen Müsliriegel nicht gegessen hätte. Er verneint, denn in der großen Pause muss er schließlich mit seinen Schulkameraden spielen. Da habe er keine Zeit zum Essen. Ich sage, dann solle er ihn doch bitte jetzt essen, weil zum Kochen sei ich noch nicht gekommen. Zudem komme seine Schwester erst um 13.30 Uhr und dann erst würden wir zu Mittag essen. Er geht, ich versuche den Faden wieder aufzunehmen, was mir überraschenderweise auch gleich gelingt. Doch schon steht er wieder auf der Matte, sein Schulkamerad habe auch Hunger. Ich bitte ihn, doch nach einem weiteren Müsliriegel zu suchen, er könne es ja schließlich selbst. Weitere fünf Minuten vergehen. Ich strenge mich bereits an, die Geräusche der Jungs zu ignorieren, da stehen beide im Zimmer. Sie haben Hanuta gefunden, ob sie auch die essen dürften. Also gut, sage ich, obwohl ich weiß, dass die Mutter des Schulkameraden ihrem Kind kaum Süßkeiten gibt. Ich werde das wohl verantworten können.

Ich versuche nun, meine Konzentration auf meine Arbeit zu richten, was sehr schwierig ist, da die Jungs in der Zwischenzeit den Fernseher aus, dafür den CD-Player angemacht haben und die Lautstärke doch ziemlich aufgedreht haben. Ich mache die Bürotür zu und hoffe, dass die Lehrerin morgen wieder in der Schule ist. Meine Gedanken lassen sich fast nicht mehr im Zaum halten, ich muss mich konzentrieren. Es gelingt mir tatsächlich und weitere 15 Minuten kann ich arbeiten. Dann schrecke ich förmlich in meinem Stuhl zusammen. Die Kinder haben sich klammheimlich hinter mich geschlichen und lachen sich halbtot, dass ich sie nicht bemerkt habe. Ich spüre plötzlich, wie sich meine Wut der Lehrerin gegenüber steigert. Wie konnte sie mir das antun. Ich schicke die Jungs in das Zimmer meines Sohnes - sie gehen tatsächlich. Ich versuche ein weiteres Mal, meine Konzentration auf die Arbeit zu lenken, da klingelt schon wieder die Türglocke. Nein, ich werde die Glocke noch heute ausbauen, ich bin fest entschlossen.

Meine Laune ist auf dem Nullpunkt, als ich die Tür öffne und ein Postpäckchen für meine Nachbarin entgegennehme. Sie ist gerade nicht da. Ich sage dem Postbeamten auf Wiedersehen und sehe im Hintergrund bereits den netten Vorwerkvertreter winken. Ob ich denn jetzt ein paar Minuten Zeit hätte. Nein, sage ich und schließe schnell die Tür. Er tut mir fast ein bißchen leid, aber nur fast. Kaum im Haus, klingelt das Telefon und ein Schulkamerad meines Sohnes ist am Apparat. Ich rufe ihn und bringe ihm das Telefon. Schnell verschwinde ich, um die letzten Minuten ruhigen Arbeitens auszunützen, denn irgendwie habe ich eine Vorahnung, dass das noch nicht das Ende ist. Ich behalte recht, denn kurz darauf steht mein Sohn vor mir, sein Freund komme gleich vorbei, weil seine Mutter ihn nochmal rausschickt, da sie noch nicht zu Mittag gekocht habe. Ich frage mich allmählich, warum ich nicht selbst auf diese Idee gekommen bin. Also gut, denke ich, vielleicht sind sie dann etwas beschäftigt. Ich habe Glück, mein Sohn hat bereits die Tür geöffnet, als ich, unverständliche Laute formulierend, Richtung Haustüre stampfe. Also Kehrtwendung und weiter gemacht. Irgendwie hab ich langsam das Gefühl, ich bin in einem Albtraum.

Sage und schreibe 45 Minuten kann ich - einigermaßen ungestört, da man das Herumgehüpfe der Jungs nicht überhören kann - noch weiterarbeiten, als meine Tochter nach Hause kommt. Mein Gott, und ich habe noch nichts gekocht. Und eigentlich sollten die beiden Schulkameraden schon längst zu Hause sein. Ich rufe also den beiden und schicke sie schleunigst nach Hause. Was mach ich jetzt auf die Schnelle? Ich renne zur Kühltruhe und rutsche beinahe wieder auf den Maiskörnern aus. Puuh, ich habe noch eine Pizza in der Truhe. Die wird nun schnell im Backofen warm gemacht. Gut, dass ich noch einen Salat im Kühlschrank habe, wenigstens etwas Gesundes, das ich noch dazu machen kann. Während ich also in aller Hetze das Mittagessen zubereite, liegt mir meine Tochter mit ihren Problemen in den Ohren. Sie hatte schon wieder mal Zoff mit ihrer Schulkameradin. Es geht wie meistens um die Kleidungs- und Jungensprobleme, die man in diesem Alter eben so hat. Außerdem noch dies und das und jenes. Auch mein Sohn ist jetzt zur Stelle, der ebenfalls von der Schule berichtet, aber da meine Tochter noch nicht fertig ist, gibt es Streit. Ich beiße die Zähne zusammen und versuche, keine Stellung zu nehmen. Endlich sitzen wir am Tisch und essen. Kaum den ersten Bissen getan, ruft auch schon jene besagte Freundin meiner Tochter an. Weil aber das Telefon noch im Zimmer meines Sohnes liegt und wir den Anruf nur auf dem Anrufbeantworter hören, ist der nächste Streitpunkt gegeben. Ich schicke meinen Sohn los um das Telefon zu holen, derweil schlingt meine Tochter ihre Pizza runter, um dann anschließend mit ihrer Freundin zu telefonieren. Ich, die ich nun fast am Rande des Wahnsinns stehe, schicke meinen Sohn auf sein Zimmer, damit ich ungestört die inzwischen schon längst fertig gewaschene Wäsche aufhängen kann.

Tatsächlich hat sich ein bisschen die Sonne gezeigt und ich beschließe, die Wäsche im Garten aufzuhängen. Meine Tochter kommt dazu und sagt, dass sie heute mal wieder keine Hausaufgaben habe und dass sie jetzt gleich zu ihrer Freundin gehe und erst gegen abend wieder zu Hause wäre. Kurz darauf kommt mein Sohn, er treffe sich mit seinen Freunden und komme zum Abendbrot wieder. Ich sehe Land und gehe in mein Büro, mein Tag scheint gerettet. Diese Zeit nütze ich aus, denke ich, wer weiß, wie der Tag morgen wird. Ich höre und sehe nichts um mich herum und kann zwei Stunden super arbeiten, als mich das Telefon ein weiteres Mal aus meiner Arbeit reißt. Noch während ich überlege, wer mich da anruft, schaue ich aus dem Fenster und bemerke, dass es in Strömen regnet - meine Wäsche, durchfährt es mich. Am Apparat ist meine Mutter. Sie sagt, dass sie und mein Vater in einer Viertelstunde kurz vorbeikommen würde, weil sie was zum Faxen habe.

Prima, denke ich, das ist wirklich prima. Ich beschließe, dass ich für heute Schluß mache und denke, das ist wieder mal einer solcher Tage, an denen du dich fragst, warum du nicht ganz einfach halbtags einen Job machst und dann für den Rest des Tages ungestört den Haushalt erledigen kannst. Ich rase also in der Wohnung herum, räume die Schuhe meines Mannes weg, vernichte die vorwitzige Spinnwebe in der Ecke des Zimmers und wische Staub. Ich hole den Staubsauger - irgendwie kommt mir jetzt der nette Vertreter in den Kopf - und sauge rasch unseren Teppich. Das Geschirr von Frühstück und Mittagessen will ich in den Geschirrspüler stecken, aber da ist noch das gespülte Geschirr von gestern drin. Zwischenzeitlich ist meine Wäsche sicher wieder patschnass. Es ist mir so was von egal. Ich räume das saubere Geschirr aus und das schmutzige ein, da sehe ich auch schon das Auto meiner Eltern vorfahren. Schnell noch ein bisschen die Arbeitsplatte sauberwischen und schon geht die Türglocke. Ich öffne und sehe, dass meine Mutter Kuchen mitgebracht hat. Ich denke, gut, dass ich die Küche sauber gemacht habe, denn jetzt steht Kaffee machen auf dem Plan. Doch meine Mutter wäre nicht meine Mutter, wenn sie nicht doch ein paar Mankos an meinem Haushalt entdecken würde. Ich sehe, wie sie an meine Pflanzen geht und höre sie sagen, dass die auch mal wieder ein bisschen Wasser vertragen würden. Ja, sage ich, aber denken tue ich was ganz anderes. Tatsächlich entdeckt sie, dass meine Wäsche im Regen hängt. Ich sage, ich weiß es und meine nur, dass sie ab einem gewissen Punkt nicht mehr nasser werden kann und dass ich sie später einfach nochmal schleudern lasse. Ich decke den Kaffeetisch und bin gespannt, was der Tag noch alles mit sich bringt.

4. Akt

Wir sitzen also beisammen und trinken unseren Kaffee und wie ich vermutet habe, wollen meine Eltern nicht nur ein Fax schicken, sondern den zu faxenden Brief auch von mir schreiben lassen. Also lasse ich mir das Problem erklären und gehe an den PC, um ein Schreiben aufzusetzen. Ich versuche, die Problematik zu ergründen, was mir aber sehr erschwert wird, weil mein Vater immer wieder Zwischenbemerkungen macht. Nur die Ruhe, sage ich mir und lese einen bestimmten Abschnitt nun schon zum dritten Mal durch. Ich begreife tatsächlich, um was es geht und formuliere in Gedanken bereits einen Satz, da kommt meine Mutter ins Zimmer und sagt, sie gehe jetzt in den Garten, die Wäsche abhängen. Ich nicke nur und versuche, den Satz erneut zu formulieren. Vergeblich, die Worte wollen mir einfach nicht mehr einfallen. Also lese ich den Abschnitt ein viertes Mal und hoffe, dass ich den Satz nochmal zusammenbringe, da erklärt mir mein Vater zum x-ten Mal, wie er es schreiben würde. Grausame Gedanken tauchen in meinem Kopf auf, die mich selbst erschrecken. Ich reiße mich zusammen und versuche erneut, meine Konzentration auf diesen einen Abschnitt zu lenken. Ich bringe schließlich einen zusammenhängenden und einigermaßen Sinn gebenden Satz zustande. Er klingt ganz anders als der, den ich bereits im Kopf hatte. Es war mir egal.

Nach einigen weiteren Gedankenabstürzen, die ich durch die erklärenden Worte meines Vaters habe, bringe ich doch letztendlich einen Brief zustande, der auch meinem Vater zusagt. Ich drucke den Brief aus und bitte ihn, ihn nochmals durchzulesen und zu unterschreiben, damit ich ihn faxen kann. Er setzt seine Unterschrift drunter ohne ihn nochmals zu lesen. Ich hätte wer weiß was schreiben können, setze ich meine grausamen Gedanken fort. Meine Mutter taucht auf und sagt, sie habe keinen Waschkorb gefunden und die Wäsche Stück für Stück in die Waschmaschine getan und gleich den Schleudergang eingeschaltet. Die paar Wäschestücke, die mir aus der Maschine gefallen seien, hätte sie gleich mit reingetan. Ich hoffe, dass man es den nichtgewaschenen Teilen nicht anmerkt, dass sie nicht gewaschen, sondern nur mit regennasser Wäsche mitgeschleudert werden und sage danke. Weil ich nun gerade den Brief faxe, lässt es sich meine Mutter nicht nehmen, das Kaffeegeschirr in die Küche zu tragen und von Hand zu spülen. Ich habe es zwischenzeitlich aufgegeben ihr zu sagen, dass ich doch eine Spülmaschine habe. Wenn sie so gerne spült, will ich ihr diese Freude nicht nehmen. Auch hier sage ich höflich danke und meine Eltern sagen, sie würden nun wieder gehen. Ich schicke ein Stoßgebet gen Himmel und hoffe, dass ich doch noch zu ein paar Minuten Arbeit komme. Doch heute habe ich das Gefühl, dass Murphy's Gesetz einzig und allein für mich geschrieben wurde.

Ich treffe bei der Verabschiedung meiner Eltern vor der Haustüre meine Nachbarin und bringe ihr bei dieser Gelegenheit gleich das Päckchen, das ich für sie entgegengenommen habe. Da man gewöhnlich auch ein paar Worte wechselt als Nachbarn, machte ich diese Pflichtübung heute eben auch noch mit. Aber aus den "paar" Worten werden mindestens Zehntausend. Nicht, dass ich nicht gerne mit meiner Nachbarin rede, aber warum um Gottes Willen muss sie mir ihre gesamte Lebensgeschichte ausgerechnet heute erzählen. Ich kann mich Schritt für Schritt rückwärts in Richtung meiner Haustüre davonschleichen, doch sie Schritt für Schritt hinterher. Ich sehe, dass ihr Mann mit dem Auto heimkommt und ein schwacher Hoffnungsschimmer legt sich auf mein Gemüt. Doch auch er hat das große Bedürfnis sich heute bei mir auszusprechen. Trotz meiner sehr geringen Anteilnahme am Gespräch lassen die beiden sich nicht abhalten, den ganzen baulichen Ablauf ihres kürzlich fertig gewordenen neuen Gartenhauses vor meinen Augen Revue passieren zu lassen. Ich nicke zustimmend und hoffe, dass der nette Vorwerk-Vertreter noch irgendwo in der Nähe ist. Aber er lässt mich kläglich im Stich. Ob ich mir jemals wieder einen Vorwerk-Staubsauger kaufe? Die Rettung naht in Form meiner Kinder. Sie rufen mir ein beiläufiges "Hi" zu und ich nehme die Gelegenheit wahr, dem Gespräch meiner Nachbarn ein Ende zu setzen. Da es bereits Abendbrotzeit geworden ist, richte ich den Tisch und wir essen zu Abend. Meine Kinder purzeln mit ihren Problemen, die sie durch den Kontakt mit ihren Freunden heute wieder bekommen haben, in meine abschweifenden Gedanken, aber ich bringe nur noch ein müdes und beinahe irres Lächeln über meine Lippen.

Sie verziehen sich vor den Fernseher, um ihre geliebten Comic-Sendungen anzugucken. Und ich bin wieder mal heilfroh, dass es den Kasten gibt. Ich bin eine Raben-Mutter, durchzuckt es mich, aber komisch, ich habe ü-ber-haupt keine Gewissensbisse. In Trance räume ich das schmutzige Geschirr in die Spülmaschine. Ich habe es inzwischen aufgegeben, dass ich noch eine Chance bekomme meine Arbeit heute fortzusetzen. Wie zum Hohn zeigt sich jetzt die Sonne. Ich habe das Gefühl, sie lacht mich aus. Manchmal denke ich, meine Wäschespinne hat magische Kräfte. Ich sollte sie in eine Wüstengegend verkaufen. Es ist schon eigenartig, dass es immer dann regnet, wenn ich meine Wäsche aufgehängt habe. Es geht schon soweit, dass mich mein Nachbar fragt, wann ich denn wieder wasche, damit er sich auf Regen einstellen kann. Ich kann mich dann meistens nicht so in dem Maße freuen, wie er. Ich werde der Sonne zum Trotz die Wäsche auf einen Wäscheständer hängen, den ich dann schnell ins Trockene bringen kann.

Ich bin gerade fertig und stehe noch etwas gute und frische Luft genießend im Garten, da kommt mein Schwager die Treppe herunter. Er ist mal wieder mit dem Rennrad unterwegs. Da er früher mal Leichtathletik gemacht hat und auch schon mal Landesmeister im Langstreckenlauf war, ist er natürlich sehr durchtrainiert und schlank. Ich fühle mich in seiner Nähe immer wie ein voller Kartoffelsack. Er trinkt ein Mineralwasser und plaudert ein wenig. Ich bewundere natürlich wie immer seine Leistung und er meint, auch wie immer, dass ich doch ruhig auch ein bisschen Fahrradfahren könne. Ich hätte doch die Zeit dazu. Ich habe bis zu diesem Zeitpunkt nicht gewußt, dass man als gemeine Hausfrau, Mutter und Erwerbstätige in der Lage ist, Mordgedanken zu entwickeln. Ich kann mich gerade noch davon abhalten, meine Hände um seinen Hals zu legen. Er scheint sich seiner Gefahr nicht bewußt, lacht, stellt sein Glas ab und verabschiedet sich. Er muss noch mindestens 50 km fahren, sagt er. Ich wünsche ihm viel Spaß und hoffe insgeheim, dass er einen Platten bekommt. Wie man nur auf solche Gedanken kommen kann.

Seufzend gehe ich wieder ins Haus. Ich hole das Bügelbrett und das Bügeleisen aus dem Schlafzimmer und bemerke, dass ich ja die Betten noch gar nicht gemacht habe. Nun, jetzt lohnt es sich auch nicht mehr. Es wird Zeit, dass ich die Hemden meines Mannes bügle. Es sind mindestens zehn, die ich bügeln muss. Den Berg T-Shirts und Hosen meiner Kinder und mir nicht mitgerechnet. Nachdem ich 1 Stunde gebügelt habe, schicke ich meine Kinder ins Bett. Dabei habe ich natürlich die halbe Stunde Verzögerungstaktik bereits mit eingerechnet. Schließlich und endlich stehe ich also alleine im Wohnzimmer und bügle fern, wie ich immer sage. Nach einer weiteren Stunde habe ich die Nase voll. Ich schalte das Bügeleisen aus und gönne mir das Hochlegen meiner Beine. Ich bin kaum fünf Minuten in dieser entspannten Lage, als mein Mann nach Hause kommt. So schön möchte er es auch mal haben, meint er, als er sieht, wie bequem ich es mir gemacht habe. Weitere Foltergedanken durchdringen mein Hirn, aber ich bin still. Ich habe keine Lust mehr mich in irgendeiner Art und Weise zu artikulieren. Meine ganze Sehnsucht heißt jetzt Bett. Ich höre mir noch eine halbe Stunde an, wie mein Mann seine geschäftlichen Probleme vor mir ausbreitet, dann verabschiede ich mich. Ich kann mich in mein Bett schleppen und habe noch den Ausspruch eines alleinstehenden guten Freundes im Kopf: es gibt Leute, die würden liebend gerne mit mir tauschen. Wie recht er hat. Heute hätte ich liebend gerne mit ihm getauscht. Fast im selben Moment fallen meine Augen zu und ich in einen tiefen Schlaf.

 

Mai 2002 - © Copyright by Jeanette Engel